Rede zum Haushalt 2026

Kaiserslautern in der Krise - Die Warnung wurde Realität

Schon im vergangenen Jahr habe ich die entscheidende Frage gestellt: Wie gut ist Kaiserslautern auf die Krise vorbereitet? Das Fazit war damals bereits ernüchternd. Heute zeigt sich, dass die Stadt weiterhin nicht ausreichend gewappnet ist. Die Probleme haben sich nicht entschärft, sondern zugespitzt und drohen, die Stadt zu überrollen. - Meine Warnungen sind leider Realität geworden. Entschlossenes Handeln ist jetzt gefordert.

Die Probleme eskalieren

Kaiserslautern steht an einem Scheideweg. Die aktuellen Herausforderungen häufen sich mit solcher Dringlichkeit, dass die klassischen Verwaltungsstrukturen zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Gerade in Krisenzeiten ist es unerlässlich, kritisch zu hinterfragen, ob die bestehenden Abläufe und Rahmenbedingungen noch zeitgemäß sind.

Seit Jahren fordert die FDP den Stadtvorstand zu verschlanken und im Gegenzug die Fachreferate zu stärken. Das wurde sowohl von der Stadtspitze als auch anderen Fraktionen konsequent abgeblockt. Da frag ich mich schon: Liegt es an fehlendem Mut, neue Wege zu gehen? Oder traut man sich nicht, bewährte Muster zu verlassen und kreative Ansätze zu ermöglichen?

Die prekäre Lage verlangt nach einem Krisenmanagement. Ein „Weiter so“ geht nicht mehr.  – Verwaltungsmanagement allein genügt nicht, wenn strukturelle Veränderungen und mutiges Handeln notwendig sind.

Das Problem zeigt sich besonders bei der Gartenschau. Seit über zehn Jahren war klar, dass die Finanzen kritisch sind. Die Oberbürgermeister Weichel und Kimmel haben trotzdem nicht gehandelt. – Sie haben es laufen lassen.

Anstatt die Ratsmitglieder im Sommer sofort über die akute Finanznot der Gartenschau zu informieren, schwieg sie. Erst Monate später erfuhren wir aus der Presse von der drohenden Katastrophe. Das ist nicht entschuldbar . So etwas darf nicht wieder passieren.

Hier zeigt sich exemplarisch, welche Folgen es hat, wenn Verwaltung nur verwaltet und nicht gestaltet.

Urbanität ist in Gefahr – Was steht auf dem Spiel

Es steht weit mehr auf dem Spiel als bloße Zahlen und Statistiken – im Mittelpunkt steht das Herz unserer Stadt Kaiserslautern.

Die Urbanität, die das Stadtleben prägt und für die besondere Atmosphäre sorgt ist akut gefährdet. Sollte jetzt kein entschlossenes Handeln erfolgen, drohen nicht nur wirtschaftliche Einbußen, sondern auch ein spürbarer Verlust an Lebensqualität und Attraktivität. Diese Krise ist keine abstrakte Gefahr, sondern betrifft jeden Einzelnen von uns. Sie verlangt nach entschlossenen und gemeinschaftlichen Lösungen, um den drohenden Abwärtstrends entgegenzuwirken.

Eine der Kernaufgaben des Staates ist es, die Infrastruktur zu erhalten und weiterzuentwickeln. Die Bürger dürfen mit Recht erwarten, dass ihre Abgaben und Steuern genau hierfür eingesetzt werden. Doch auch in Kaiserslautern ist die Situation nicht anders als im übrigen Land: Über Jahre hinweg hat man sich auf scheinbare Sicherheiten verlassen, Probleme ignoriert und dem schleichenden Verfall der Infrastruktur zugesehen. Es wurde zu wenig investiert. Mit der Konsequenz, dass es nun an allen Ecken und Enden brennt.

Besonders deutlich zeigt sich das an maroden Schulen und Schwimmbädern, die einen enormen Sanierungsbedarf aufweisen. An Straßen, die zu Holperstrecken geworden sind, sowie an Brücken, deren Tragfähigkeit fraglich ist. Auch das Rathaus selbst ist mittlerweile ein Sanierungsfall.

All diese Herausforderungen treten vor dem Hintergrund einer wirtschaftlichen Rezession auf. Die Einnahmen aus Steuern sinken, während die Arbeitslosigkeit in absehbarer Zeit steigen wird.

Gewerbeflächenzweckverband: Ein Projekt mit großer Bedeutung – und schmerzlichem Ausgang

Die Idee eines gemeinsamen Gewerbeflächenzweckverbands von Stadt und Landkreis hätte eine wegweisende Chance für unsere gesamte Region eröffnet. Umso schwerer wiegt das Scheitern dieses Projekts. Ein Scheitern, das nicht einfach nur bedauerlich, sondern folgenschwer für die Zukunftsfähigkeit aller Beteiligten ist. Die Enttäuschung über das Ergebnis ist groß. Statt innovativer Zusammenarbeit hat sich der Landkreis in ein isoliertes Leuchtturm-Denken zurückgezogen.

Drei Jahre lang wurde im Arbeitskreis des Stadtrates mit Leidenschaft gearbeitet. Stets mit der klaren Vision, die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Doch all dieser Einsatz, jede investierte Stunde wurden am Ende regelrecht zunichtegemacht. - Warum? Weil während dieser Zeit jeglicher konstruktive und offene Austausch mit dem Landkreis ausblieb. Wieder und wieder habe ich im Arbeitskreis die Positionen des Landkreises eingefordert – stets ohne Antwort, stets vergeblich. Die so dringend notwendige Transparenz: Fehlanzeige. Die Bereitschaft zum Dialog: nicht vorhanden. Heute bewahrheitet sich, was ich von Anfang an befürchtet hatte – die Vorstellungen der beiden Verwaltungseinheiten sind schlichtweg unvereinbar.

Unbestreitbar ist: Die Wirtschaftsförderung hat in diesem Prozess versagt – es fehlte sowohl an Professionalität als auch an Offenheit.

Diese Entwicklung zeigt deutlich, wie wichtig ehrlicher Austausch, Verständlichkeit und echtes Miteinander in unserer Stadt und der gesamten Region sind. Nur wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen, können die großen Aufgaben bewältigt werden. Ein Fehlschlag wie beim Gewerbeflächenzweckverband darf sich nicht wiederholen – es steht zu viel für Kaiserslautern und das Umland auf dem Spiel.

Wirtschaftsförderung und Tourismus: Verpasste Chancen in schwierigen Zeiten

Der Abgang des langjährigen Wirtschaftsförderers Dr. Stephan Weiler traf die Stadt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Gerade jetzt braucht es aktive Unterstützung, um die Folgen der Rezession zu meistern und neue Perspektiven zu schaffen. Die Oberbürgermeisterin informierte lediglich knapp darüber, dass sich vorerst nur noch ein Wirtschaftsförderer um Stadt und Landkreis kümmert. Eine Erklärung für diesen Schritt lieferte sie nicht. – Und das gerade jetzt, wo Klarheit und Tatkraft gefragt sind. Statt die Ressourcen der Wirtschaftsförderung voll auszuschöpfen, bleiben Möglichkeiten ungenutzt.

Die FDP hat sich in den letzten Jahren wiederholt dafür eingesetzt, dass Stephan Weiler Aufgaben im Tourismussektor übernimmt. Seine Bereitschaft hatte er signalisiert. – Passiert ist nichts.

Gerade beim Tourismus hat Kaiserslautern viel Potenzial, das bislang kaum genutzt wird. Die Stadt verfügt über attraktive Angebote und Entwicklungschancen. Sie werden aber immer noch nicht konsequent verfolgt. Es ist ein eklatanter Fehler, dass Tourismus so stiefmütterlich behandelt wird. Dabei könnte dieser Wirtschaftszweig, ganz ohne zusätzlichen Flächenverbrauch, der Stadt wichtige neue Impulse geben und dringend benötigte Einnahmen generieren. Urlaubstourismus könnte sich zu einem bedeutenden Eckpfeiler der lokalen Wirtschaft entwickeln. Neue Besuchergruppen könnten angesprochen werden und Übernachtungszahlen stabilisiert werden.

Die aktuelle Krise erfordert mutige Entscheidungen, Weitblick und eine aktive Wirtschaftsförderung. Kaiserslautern muss handeln. Die Stadt hat viele Stärken. Und diese sollten gezielt genutzt werden. Die Bürger sollen Perspektiven erhalten und nicht im Schatten versäumter Chancen verharren.

S-O-S: Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit

Die Krisen der letzten zehn Jahre haben die Gesellschaft stark belastet. Viele Menschen sind unzufrieden, die Gemeinschaft ist gespalten und der Umgangston hat sich verschärft. Die öffentliche Ordnung leidet. Schmierereien, Müll, Gewalt und Respektlosigkeit nehmen zu. Viele fühlen sich in der Innenstadt nicht mehr sicher.

Die Gewährleistung der öffentlichen Ordnung eine weitere Kernaufgabe des Staates. Sie bildet für die Bürger die Grundlage dafür, dass das gesellschaftliche Leben in Kaiserslautern sicher, respektvoll und zuverlässig funktioniert. Dabei geht es nicht allein um die Einhaltung von Gesetzen, sondern ebenso um die Achtung sozialer Normen, die das tägliche Miteinander prägen.

Ein geordnetes Umfeld schafft Vertrauen und trägt maßgeblich zur Lebensqualität bei. Ordnung ist daher mehr als eine rein gesetzliche Kategorie; sie ist Ausdruck von gegenseitigem Respekt unter den Menschen in unserer Stadt. Die öffentliche Ordnung bildet die Basis für Mobilität, Freizeit, Kultur und die Nutzung gemeinsamer Räume. Sie stellt sicher, dass alle Bürger ihre Rechte uneingeschränkt ausüben können, ohne andere zu gefährden oder zu stören.

Ohne öffentliche Ordnung gibt es keine Sicherheit – und ohne Sicherheit keine Freiheit. Deshalb setzt sich die FDP mit besonderem Engagement für die Gewährleistung von Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit in Kaiserslautern ein.

Viele Jahre hatte die FDP weder von der Stadtspitze noch von der Ratsmehrheit Unterstützung bei der Bewältigung dieser wichtigen Kernaufgabe. Umso erfreulicher ist es, dass wir seit zwei Jahren auf Bürgermeister Schulz zählen können: Mit seinem Engagement bringt er neue Impulse ein und stellt sich den bestehenden Herausforderungen entschlossen.

Die FDP lehnt den HH ab.